Empört euch !

In einem Blogeintrag fragt sich Hannes Jähnert, ob Empörung richtig ist und ob daraus bürgerliches Engagement entstehen kann.

Den Ausgangspunkt bildet dabei der Bestseller „Indignez-vous !“ des französischen Widerstandskämpfers Stephane Hessel, der fordert, dass man sich über die gesellschaftlichen Missstände empören und sie nicht nur mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen soll.

Die schlimmste aller Haltungen ist die Indifferenz, ist zu sagen: ‚Ich kann für nichts, ich wurschtel mich durch.’ Wenn ihr euch so verhaltet, verliert ihr eine der essenziellen Eigenschaften, die den Menschen ausmachen: die Fähigkeit, sich zu empören, und das Engagement, das daraus folgt.

Für Jähnert folgt aus der Empörung der Bürger jedoch häufig ihre Radikalisierung und nicht deren Motivation für mehr Engagement. Damit tut er jedoch den „Wutbürgern“ im Lande Unrecht. Wenn nicht aus der Empörung über gesellschaftliche Missstände, woher dann soll die Motivation kommen etwas bewegen zu wollen? Ohne die Empörung über den Unterschied zwischen Ist- und Soll-Zustand gibt es keinen zivilen Fortschritt. Genauso wenig wie es ohne rationalen Diskurs keinen zivilen Fortschritt gibt.
Würde der rationale Austausch von Fakten alleine die Geschicke im Lande beeinflussen, gäbe es wohl weniger Grund sich zu empören. Doch solange dies nicht der Fall ist und es Gründe zur Empörung gibt, gibt es auch das Recht empört zu sein. Zu einer Radikalisierung kommt es vielmehr, wenn man das Gefühl hat, trotz der besseren Argumente nichts bewegen zu können.

Darum Empört euch und tut was…

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4 Antworten zu “Empört euch !

  1. Hannes Jähnert 9. Februar 2011 um 19:55

    Hallo Markus, meinst du man kommt mit der Empörungstaktik des Campaignings einen rationalen Austausch anregen? Zielt die Taktik des Empörens nicht viel mehr schon eine Radikalisierung?

    Ich bin da noch unentschlossen. 🙂

    • markussenft 9. Februar 2011 um 20:31

      Sich zu empören schafft zunächst einmal Aufmerksamkeit für ein Thema. Aber beim sich empören darf man nicht stehen bleiben, sondern muss daran arbeiten den Grund der Empörung zu beseitigen und dazu gehört auch der Austausch von Argumenten.
      Von Radikalisierung zu sprechen schießt da wohl etwas über das Ziel hinaus.

  2. Hannes Jähnert 11. Februar 2011 um 11:05

    Für viele Aktionen mag es stimmen, dass der Vorwurf der Radikalisierung über das Ziel hinaus schießen, für einige aber eben nicht. Vor allem durch die zunehmenden Empörungsversuche — man könnte auch sagen generelle Krisenkommunikation — wird m.E. versucht viele Menschen zu erreichen / zu empören ohne dass dann irgend was anschließt …

    • markussenft 11. Februar 2011 um 18:11

      Ja, du hast sicherlich Recht. Dies hat aber auch mit der Inflation der Kommunikation zu tun und der Funktionsweise des Mediensektors. Nur wer am lautesten schreit, wird auch gehört.
      Aber wenn nach der Empörung nichts mehr passiert kann man ja noch weniger von Radikalisierung sprechen.
      Imho meint Radikalisierung in diesem Zusammenhang ja dass zur Beseitigung eines Missstandes nicht mehr auf legale Mittel gesetzt wird und nicht alleine die Beseitigung des Missstandes im Fokus der Empörten liegt, sondern dass statt dessen die tieferliegenden, systemischen Ursachen für einen Missstand beseitigt werden, auch wenn dazu illegale Mittel und Wege anzuwenden sind.

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