co:funding 2011

co:funding 2011Am Freitag, den 15.04., fand zum ersten Mal in Deutschland die co:funding statt. Diese Subkonferenz der re:publica widmete sich ausführlich dem Thema des Crowd-Fundings.
Um das Fazit schon mal vorwegzunehmen, es war eine tolle Konferenz mit jeder Menge spannender Impulsvorträge, Panels, Diskussionen und vor allem mit jeder Menge Input zum Thema. Ein großes Lob an die Organisatoren, aber nächstes Jahr werdet ihr wohl eine größere Location brauchen, denn Crowd-Funding wird zunehmend eine Rolle spielen bei der Finanzierung kleiner und mittelgroßer Projekte und damit wird auch das Interesse an diesem Fundraising-Instrument zunehmen.

Da es den Rahmen dieses Formats sprengen würde, jeden Beitrag des Tages in der angemessenen Tiefe zu würdigen soll hier nur auf die Highlights eingegangen werden. Aber ich bin mir sicher, auch alle anderen Vorträge, Streitgespräche und Panels werden aufgearbeitet, verdient haben sie es.

Als erstes gab Jörg Eisfeld-Reschke eine Einführung ins Thema Crowd-Funding, in der die wichtigsten Begriffe nochmals erklärt wurden für Leute die sich mit diesem relativ neuen Thema noch nicht auseinandergesetzt haben.

Anschließend fand ein sehr harmonisches Streitgespräch zwischen Jens Best und Ibrahim Evsan statt zum Thema „Crowdfunding – ein Hype oder die Zukunft der Projektfinanzierung?“. Man erfuhr, dass Crowd-Funding eine Möglichkeit ist sein Projekt auf anschauliche und einfache Weise darzustellen und man so dem Stresstest von Investoren aus dem Weg gehen kann. Nichtsdestotrotz verlangt Crowd-Funding jede Menge Öffentlichkeitsarbeit und Marketing seitens der Projektverantwortlichen.

Eine Gefahr, dass sich dabei v. a. der Mainstream-Geschmack ala Lady Gaga durchsetzt sehen jedoch beide nicht. Ibrahim verweist darauf, dass große Künstler viel Geld brauchen und sich andere Fundraising-Instrumente deshalb für solche Akteure besser eignen, Jens sieht eher die Möglichkeit durch Crowd-Funding die Vielfalt zu fördern.

Auf die Frage, ob die Künstler nun zu Marktschreiern werden müssen um genügend Aufmerksamkeit zu generieren, geben die Diskutanten zu bedenken, dass es auch jetzt schon so sei, man dabei aber die Möglichkeit besäße Leidenschaft und Professionalität zu zeigen.

Crowd-Funding ist dabei nicht das Ende der staatlichen Kulturförderung, denn die Crowd-Funding-Plattformen sollten eher als Fühler der Gesellschaft betrachtet werden und staatliche Fördereinrichtungen haben dadurch einen Gradmesser für die Relevanz
eines bestimmten Themas zur Hand, den zu benutzen sie freilich erst noch lernen müssen, so Ibrahim – und ähnlich war auch die Meinung bei dem Panel zum Thema „Crowdfunding als alternative Finanzierungsmöglichkeit? Zwischen öffentlicher Förderung und Mikro-Mäzenatentum.“

Dass man als Künstler und Kulturschaffender denn Angst haben müsse seine Projekte nun mit Dutzenden Leuten abzusprechen, sehen beide nicht, da der Künstler ja letztverantwortlich ist und die Hoheit über sein Werk behält, auch wenn es von der Crowd finanziert wird.
Sowohl Jens, als auch Ibrahim sehen Crowd-Funding vor allem als Chance und die sollte man auch nutzen.

Ein weiteres Highlight war der Impulsvortrag von Sebastian Metzner in dem er einen Blick in die Zukunft des Crowd-Sourcings wirft. Zunächst weist er darauf hin, dass Crowd-Funding-Plattformen als Marktplätze dienen auf denen sich Anbieter und Nachfrager von Kulturleistungen treffen und gegenseitig voneinander profitieren.

Die Währung auf diesen Marktplätzen ist Aufmerksamkeit und die Schreihälse auf diesen Marktplätzen werden weniger. Zunehmen wird auf den Plattformen die Personalisierung. Man finanziert nicht mehr ein ganzes Projekt alleine, bzw. gibt Geld für das Projekt als Ganzes, sondern finanziert nur einen kleinen Teil des Projektes. Mit diesem Teil aber kann sich der Spender eben persönlich identifizieren und weiß genau was er zum großen Ganzen beigetragen hat.

Zunehmen wird auch die Konvergenz und Koppelung von verschiedenen Medien- und Finanzierungsinstrumenten wie man bei sponzu.com bereits heute schon sehen kann.

Und zu guter Letzt wird auch off- und online stärker zusammen wachsen durch den Einsatz von z. B. QR-Codes oder outdoor billboards.
Aber Co-Funding ist erst der Anfang und Co-Farming sicher noch nicht das Ende.

Zum Schluß stellt Sebastian noch zwei Thesen auf über die es nachzudenken gilt: Crowd-Funding wird an der Umsetzung komplexer Projekte gemessen werden und die Schwarm-Intelligenz wird dabei der massgebliche Erfolgsfaktor sein.
Alles in allem ein sehr interessanter und inhaltlich einer der stärkeren und reflektiertesten Beiträge auf der co:funding.

Weitere Highlights waren die Panels zu „Crowdfunding als alternative Finanzierungsmöglichkeit“ und „Social Payment und Crowdfunding“, welche aber zu einem späteren Zeitpunkt aufgearbeitet werden.

Die co:funding 2011 war auf jeden Fall die Reise wert und wer sie verpasst hat, soll sich den Termin für die co:funding 2012 schon mal rot im Kalender anstreichen – sobald er feststeht.

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