Zwischen öffentlicher Förderung und Crowd-Funding

Eine weitere interessante Session auf der co:funding fand zum Thema „Crowd-Funding als alternative Finanzierungsmöglichkeit? Zwischen öffentlicher Förderung und Mikro-Mäzenatentum“ statt.

Mit Sebastian Dresel und Tanja Mühlhans waren auf dem Podium zwei Vertreter öffentlicher Einrichtungen zu gegen und Alain Bieber sprach für ARTE Creative. Moderiert wurde das Ganze von Dirk Kiefer.

Wie der Titel des Panels schon aussagt, ging es darum, zu ergründen welches Potential Crowd-Funding beinhaltet, v. a. im Zusammenhang mit der Förderung durch öffentliche Einrichtungen.

Crowd-Funding als Problemlöser?

Tanja MühlhansAuf die Frage inwiefern Crowd-Funding ein Problemlöser sein könne, meint Tanja, dass Crowd-Funding durchaus gut ist für die Finanzierung kleinerer Projekte, auch da die ständige Vergabe öffentlicher Gelder nicht möglich ist und der Verwaltung außerhalb der Antrags- und Vergabefristen die Hände gebunden sind.
Eine Schwierigkeit sieht sie jedoch darin, dass eine Art Generationenkonflikt vorherrscht und Kreative erst lernen müssen ihre Projekte nach außen hin zu kommunizieren um somit Unterstützer für ihre Projekte zu mobilisieren.
Außerdem, so Tanja, könne man am Thema Crowd-Funding sehen, dass in der Bevölkerung ein Partizipationswille vorhanden sei und dieser sich durch das Crowd-Funding einen Weg bahnt.

Auch Sebastian sieht die Gefahr des Generationenkonflikts und Sebastian DreselVergleicht die Situation des Crowd-Fundings mit derjenigen, in der sich Social-Networks 2007 befanden. Außerdem könne man schon jetzt beobachten wie Projekte versuchen „ihre“ Geldgeber langfristig zu binden und sie somit daran hindern wollen, mittels Crowd-Funding neue und vielleicht auch innovative Projekte zu unterstützen.

Crowd-Funding als Hinweisschild?

Für die Kommunen selbst sieht er in diesem neuartigen Fundraising-Instrument aber zugleich eine großartige Möglichkeit wie man auf neue Projekte aufmerksam werden kann. Zugleich kann die Kommune als Unterstützer tätig werden und interessierten Kulturschaffenden beratend zur Seite stehen. Ein Vorteil des Crowd-Fundings ist dabei, dass die Kommune Projekte bei der Finanzierung und Umsetzung helfen kann ohne Gefahr zu laufen Geld unwirksam einzusetzen. Denn die Business-Pläne, welche oftmals eine Voraussetzung sind um staatliche Gelder zu akquirieren, werden meist nur pro Forma aufgestellt, haben wenig Aussagekraft, und berechenbare Kriterien im Feld der Kunst- und Kulturförderung existieren nicht.

Diese Meinung vertritt auch Tanja, denn oftmals wird die Entscheidung für oder wider die Förderung eines Projektes aufgrund persönlicher Gespräche mit den Projektverantwortlichen und aufgrund eigener Erfahrungen getroffen. Crowd-Funding kann in diesem Zusammenhang als Indikator dienen, denn wenn schon mehrere Leute bereit sind ein Projekt mit Geld zu unterstützen, lohnt es sich vermutlich sich genauer damit auseinanderzusetzen, unabhängig vom Bauchgefühl. Aber sie gibt zu bedenken, dass zunächst einmal Kapazitäten in den Behörden aufgebaut werden müssen um zum einem beratend tätig zu werden und natürlich auch um ein Monitoring der verschiedenen Spendenplattformen zu betreiben.

Alain BieberAuch Alain sieht im Crowd-Funding eine riesige Möglichkeit mit neuen Ideen und Projekten in Kontakt zu kommen. Denn ARTE CREATIVE kann es sich leisten aufgrund ihres geringen Marktanteils auch sperrige Projekte umzusetzen, doch leider schaffen es die wenigsten Projekte durch den Verwaltungsdschungel, so dass zwar Geld da ist, es aber an Projekten fehlt.
Dass Crowd-Funding Gefahr läuft nur den Mainstream zu bedienen und kleine, verrückte Projekte drohen unterzugehen  besteht lediglich dann, wenn die Unterstützung an eine mögliche Gewinnausschüttung, z. B. Gewinne aus Musikverkaufen etc., gekoppelt ist.
Alain fragt sich, welches demokratisches Prinzip wohl hinter Partizipationsformen wie dem Crowd-Funding stehen. Denn hier wird viel zwischen Künstlern und „Kunden“ diskutiert und es findet gewissermaßen eine „Abstimmung mit den Füßen“ statt. Er stellt sich außerdem die Frage wie dieses Prinzip auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen werden kann.

Die Zukunft von Crowd-Funding und öffentlicher Förderung?

Als Fazit zu dieser sehr interessanten Session lässt sich festhalten, dass man bei der Bedeutung von Crowd-Funding für die öffentliche Hand noch ganz am Anfang steht und man erst abwarten muss wie die öffentliche Verwaltung auf diese Art der Projektfinanzierung reagieren wird.

Zwei Szenarien für die Beziehung zwischen beiden sind möglich.

Crowd-Funding wird weiterhin als Lückenbüßer genutzt, um Gelder außerhalb der Antragsfristen der Behörden zu akquirieren. Dadurch werden Defizite bei der staatlichen Steuerung im Kunst- und Kulturbereich ausgeglichen und beide Förderarten existieren mehr oder weniger unverbunden nebeneinander, d. h. sie stellen lediglich zwei verschieden Arten von Finanzierungsmitteln dar ohne dass sich Synergieeffekte ergeben.

Das zweite Szenario besteht darin, dass sich eine symbiotische Beziehung zwischen Crowd-Funding und staatlichen Stellen entwickelt von der beide Seiten profitieren. Dabei dient Crowd-Funding als Hinweisgeber für interessante Projekte und trägt somit zur Vorauswahl förderungswürdiger Projekte bei. Gleichzeitig können die Behörden interessierten Projekten mit Rat und Tat zur Seite stehen und dazu beitragen dieses Fundraising-Instrument zu einer festen Größe im Finanzierungsmix des Kunst- und Kultursektors zu machen. Auch die Vermittlung potentieller Geldgeber an Projekte kann beispielsweise durch die öffentliche Hand erfolgen.

Welches der Szenarien eintreten wird und wie sich die Gestaltung der Beziehung zwischen beiden entwickeln wird, hängt sehr davon ab wie die Kommunen auf diese „Konkurrenz“ der Projektfinanzierung durch die Zivilgesellschaft reagieren und ob sie bereit sind für den Aufbau von Beratungs- und Monitoringstellen vor Ort zu investieren.

Über erste Ergebnisse dieser Entwicklung kann man vielleicht schon nächstes Jahr auf der co:funding 2012 mehr erfahren. Man darf gespannt sein.

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